IGS - Integrierte Gesamtschule Landau


Schulleiters Tagebuch

Schulleiters Tagebuch

Tagebucheintrag vom 13. September 2019

Was für ein beeindruckender Elternabend gestern. Mich hat vor allem die Diskussion darum bewegt, wie man sich als Mensch im gar nicht so anonymen Internet bewegt. Gemeinsam mit Eltern gingen wir der Frage nach, wie wir Kindern und Jugendlichen Leitplanken für einen Umgang im Netz beibringen können, die nach den Grundsätzen der Mitmenschlichkeit und Zuneigung geprägt sind. Das ist im Alltag wirklich nicht einfach. Die Flut der Bilder, die uns wohl alle überfordert, muss irgendwie verarbeitet werden. Es gibt viele böse Bilder. Gut und böse zu unterscheiden ist nicht einfach. Was ist noch ein Witz und wo fängt Rassismus oder Sexismus an? Was ist erlaubt und war gehört verboten? Eltern und LehrerInnen waren sich einig in der Einschätzung, dass wir die Kinder und Jugendliche im Bezug auf die Benutzung des Internets nicht alleine lassen dürfen.

Tagebucheintrag vom 12. September 2019

Ich glaube, wenn traditionelle Wertegeber verschwinden oder zumindest deren Bedeutung geringer wird, dass es anderer Wertegeber bedarf. Und ich denke, dass die IGS Landau neben der Übernahme von Dingen, die in früheren Zeiten eher von den Eltern erledigt wurden, zusätzlich auch im Bereich Wertevermittlung eine entscheidende Rolle spielt. Kinder, die in unsere Schule gehen, haben die Möglichkeit etwas für ihr Leben zu lernen und nicht nur Mathematik, sondern auch zum Beispiel die Einstellung gegenüber allem, was fremd ist. Fremdes verunsichert und führt leider bei manchen zur Aggression bzw. Abwehr. Kindern, in diesem Zusammenhang menschlichere Erfahrungen zu ermöglichen, finde ich eine großartige Aufgabe. Scharlatane zu entlarven, Lügen aufzudecken und den Hass gegenüber Fremden zu brandmarken, dafür steht die IGS Landau.

Tagebucheintrag vom 11. September 2019

Erinnern Sie sich, was vor einigen Jahren an diesem Tag geschehen ist? Jedes Jahr, wenn ich an diesem Tag einen Tagebucheintrag mache und über denselben nachdenke, kommt mir die Erinnerung an dieses unsägliche Flugzeugattentat in den Sinn. Das Ergebnis einer solchen Aktion ist Hass auf allen Seiten. Es ist ein Ausdruck von Hass auf der Täterseite und es führt zu Hass auf der Opferseite. Hass und Angst gehören unmittelbar zueinander und für mich selbst ist die Erinnerung an diesen 11.09.2001 eine Mahnung niemals einzustimmen, wenn Menschen Hass und Angst predigen. Dass es in unserem Land Menschen gibt, die dieses tun, ist für mich eigentlich unerträglich. Ich frage mich immer, wenn ich einen Repräsentanten im Interview höre, was der eigentliche Beweggrund seinerseits ist. In mir werden sie jedenfalls einen klaren Gegner haben. Unsere Schüler an der IGS Landau werden diesen Scharlatanen jedenfalls nicht folgen.

Tagebucheintrag vom 10. September 2019

"Herr Haug, ist ihr Drucker gerade frei? Ich müsste gerade was für die Stufenkonferenz ausdrucken." Ein solches Ansinnen ist kein Einzelfall mehr, die Schüler wissen, wenn die Tür des Schulleiters geöffnet ist, darf man fragen. Wenn möglich, kann man mit seinem Ansinnen Erfolg haben. Natürlich durfte die Schülerin an meinen PC und konnte ihren Text ausdrucken. Ich finde es schön, wenn sie einfach kommen und fragen und wir an einem Strang ziehen. So geht Schule.

Tagebucheintrag vom 09. September 2019

Immer nur reden ist auch keine Lösung. Man muss auch handeln. Die Müllerzeugung in einer Schule ist schon unglaublich. Was wir an Papier verbrauchen ebenso. Trennen von Müll geschieht bisher in der IGS Landau nicht konsequent. Das werden wir verändern. Wir werden in Zukunft Restmüll, Papiermüll und Plastik getrennt voneinander sammeln. In jedem Raum soll es drei Mülleimer geben, die jeweils von den Raumverantwortlichen entsorgt werden. Um allen die gleichen Ausgangsvoraussetzungen zu geben, werden wir in der Montagmorgenbegrüßung am 23.09.2019 eine besondere Aktion durchführen. Der Glaube, dass alle Schülerinnen und Schüler wissen, wie Mülltrennung geht, ist bei mir jedenfalls nicht vorhanden. Auch das können sie in der IGS Landau lernen. In einem nächsten Zug möchte ich alle Mülleimer auf dem Schulgelände entfernen. Diese Maßnahme trifft nicht auf die Zustimmung aller Verantwortlichen, einige befürchten eine Vermüllung der Umgebung. Ich glaube, dass wir auch das gemeinsam lernen können, es wird nicht reibungslos gehen, aber am Ende zur Routine werden.

Tagebucheintrag vom 06. September 2019

Gestern waren Schulen aus Rheinland-Pfalz bei uns zu Besuch, die sich unser Konzept von Schülermitwirkung eingehend betrachten wollten. Und sie bekamen einen intensiven Eindruck. Die Rückmeldungen der fremden Kolleginnen und Kollegen waren durchweg sehr positiv. Ich glaube, es liegt daran, dass in diesem Fall Etikett und Ware übereinstimmen. Was außen draufsteht, ist innen drin. Es wird nicht Zuviel versprochen. Und was man nicht versprechen kann, wird eben auch nicht versprochen. Beeindruckend ist es schon, wenn unsere Schüler vor einer Gruppe Erwachsener stehen und sprechen, als ob sie den ganzen Tag nichts anderes tun würden. Bei einigen wenigen habe ich in der Tat manchmal den Eindruck, dass sie mehr in Schülergremien sind, als in ihrem eigentlichen Unterricht. Eine Gruppe von Schülern war heute auch bei mir wegen des weltweiten Klimatages. Auch hier war ich beeindruckt, weil sie am 20.09.2019 ankündigen bewusst gegen die Schulpflicht vorzugehen. Meine Androhung, dass Schüler einen unentschuldigten Fehltag erhalten, machte bei ihnen wenig Eindruck. "Wir wissen das und gehen trotzdem hin."

Tagebucheintrag vom 05. September 2019

Die IGS Landau ist eine Hospitationsschule. Heute wurden wir wieder besucht und ich hatte den Eindruck, dass es den Besucherinnen und Besucher sehr gut bei uns gefallen hat. Wenn man auf die eigene Schule blickt, dann muss man wirklich aufpassen nicht zu sehr die Ja-aber-Brille aufzusetzen. Gerade wenn es stressig ist, neigt man dazu in alte Muster zu fallen. Statt zu sehen, wie viele Dinge unglaublich gut laufen. Das Sekretariat muss neben dem normalen Kram an solchen Tagen vieles einfach so und zusätzlich bewältigen. Und das läuft dann auch. Da wird Essen und Trinken gerichtet, Gäste begrüßt und beim Mittagessen bewirtet und gleichzeitig das Tagesgeschäft abgearbeitet. In unserer Küche passierte heute was ganz Wunderbares. Eine Gruppe von Schülern, die ganz viel Praxis braucht, kochte gemeinsam mit einer Lehrerin und versorgte alle, die vorbestellt hatten. Superessen, riesige Qualität für wenig Geld. Und vor allem hatten die Kinder ein gutes Gefühl und zeigten ihren Stolz. Ich bin froh, diese Schule leiten zu dürfen. Danke Jasmin!

Tagebucheintrag vom 04. September 2019

Drei Tage zu früh bin ich. Am Freitag erst muss ich die Schulstatistiken abgeben und ich bin schon fertig. Und wie. Ich habe unser neues Schulverwaltungsprogramm besiegt. Es hat alles versucht, mir viele Steine in den Weg gelegt, unzählige Telefonate mit ebenso Verzweifelten gebracht. Doch am Ende war ich stärker. Nachdem die Daten plausibilisiert waren und mir keine Fehler mehr angezeigt worden sind, nahm ich all meinen Mut zusammen und verschickte dieselben an das Statistische Landesamt bzw. an die ADD. Ob alles richtig ist, werde ich in den nächsten Tagen erfahren.

Tagebucheintrag vom 03. September 2019

Um 11.00 Uhr ging der Alarm los, der jährlich zu probende Feueralarm. Nach vier Minuten waren alle aus dem Gebäude und versammelten sich auf dem Süd- oder Nordhof. Eigentlich hat alles gut geklappt, aber ich merke Jahr für Jahr, wie nötig eigentlich regelmäßigere Übungen wären. Wenn man so etwas nur einmal im Jahr ausprobiert, gibt es keine Routine und viele überlegen, ob sie jetzt Fenster schließen sollen, Türen abschließen sollen oder sich doch einschließen sollen. Den ein oder anderen Blindgänger muss man auch überzeugen. "Das ist doch nur eine Übung, ich will nur schnell was kopieren." Auch das ist ein Satz, den man ganz selten zwar, aber dennoch hört.

Tagebucheintrag vom 02. September 2019

Heute Morgen begann die Woche mit der Montagmorgenbegrüßung und ich konnte nicht umhin von meinem Erlebnis am gestrigen Sonntag zu erzählen. Ich bin ausgewiesener Fußballfan und gehe auch gerne ins Stadion, so auch gestern zum Spiel des FCK gegen Waldhof Mannheim. Schon als ich dem Stadion näher kam, wollte ich wieder umdrehen. Viele Menschen, junge und alte, Männer und Frauen und Kinder trugen ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Waldhof verrecke". Haben die alle ihren Verstand irgendwo abgegeben? Im Stadion selbst hatte ich, zumal ich einige Spieler meiner Jugendmannschaft dabei hatte, teure Sitzplatzkarten auf der Südtribüne gebucht, im Glauben, hier in Ruhe ein Fußballspiel betrachten zu können. Doch weit gefehlt. Hinter mir tobte der Mob. Ich kenne auch viele Schimpfwörter und weiß diese vor allem beim Autofahren stets anzuwenden, aber was diese Herren hinter uns produzierten, war kaum zu überbieten an Hass und Häme. Als ein Waldhofer Spieler leider verletzt ausgewechselt werden musste, spornten sie die Heimspieler an den nächsten abzuschlachten. Als der Waldhofer Trainer den Fehler machte einen dunkelhäutigen Spieler einzuwechseln, konnte man sich über rassistische Kommentare überhaupt nicht mehr wundern. An diesem Tag war ich überhaupt nicht stolz ein Fußballfan zu sein und was mich besonders beunruhigt, ist die Tatsache, dass wir in einer Zeit leben, in der dieses rassistische, frauenfeindliche, sexistische Geschwalle meiner Einschätzung nach zunimmt. Genau das habe ich meinen Kindern am Montagmorgen erklärt, in der Hoffnung, dass sie nicht so werden.

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